3. September 2026
ThermTec Ventus 635L vs. 650L im Test: Der neue Maßstab für Nachtsicht & Wärmebild?
Multispektrale Binokulare sind keine Neuheit, aber das ThermTec Ventus ist eine neue Antwort auf eine alte Frage: Wie viel Technik passt in ein einziges Gerät? Mit einem NETD Wert von unter 15 Millikelvin, einem 4K UHD CMOS-Sensor, einem Laserentfernungsmesser, der Entfernungen bis zu 1000 m misst, und einem IR-Strahler, den man per Schalter zwischen zwei Wellenlängen umschalten kann – und das ganze ohne Werkzeug und ohne Umrüstung. Wir vergleichen heute das ThermTec Ventus 635L und das ThermTec Ventus 650L und erklären, warum die Wahl der Brennweite mehr ist als eine Frage der Reichweite.
Lieferumfang: Was ist im Karton?
Beide Geräte kommen mit einem ordentlichen Lieferumfang daher. Im Karton findet ihr neben dem Binokular selbst eine Tragetasche, also ein Bino-Pack, das ihr euch umschnallen und vor der Brust tragen könnt – sehr hochwertig. Dazu Objektivschutzdeckel, 2x 18650 Lithium-Ionen-Akkus inklusive Ladegerät, das euch auch die Kapazität anzeigt, ein USB-C-Ladekabel, ein Nackengurt, ein Reinigungstuch und natürlich die Bedienungsanleitung. Der abnehmbare Dual-IR-Strahler ist am Gerät schon montiert, dazu kommen wir später noch explizit.
Erster Eindruck
Wenn man das Gerät zum ersten Mal in die Hand nimmt, fällt eines sofort auf: Das ist kein Plastikspielzeug. Das Gehäuse wirkt extrem hochwertig und robust – und das ist bei beiden Modellen identisch. ThermTec hat sich bei der Ventus Serie bewusst für ein einheitliches Gehäusedesign entschieden. Äußerlich kann man die beiden Geräte ausschließlich daran erkennen, dass das 635L eine etwas kleinere Linse hat. Das Gewicht ist mit 825 g beim 635L und 833 g beim 650L praktisch identisch. Der minimale Unterschied kommt tatsächlich durch die größere Linse beim 650L.
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Die Ergonomie ist wirklich durchdacht: Das Gerät liegt satt in der Hand, es gibt eine taillierte Handauflage, und wer schon länger mit schwereren Ferngläsern gearbeitet hat, merkt sofort, dass hier jemand nachgedacht hat. Beide Okulare lassen sich im Augenabstand einstellen, und es gibt separate Dioptrienräder für jedes Auge.

Die Schutzklasse IP67 bedeutet, das Gerät ist staubdicht und kann kurzzeitig in Wasser eingetaucht werden – also kein Problem bei Regen, Schnee oder einem unfreiwilligen Bad im Graben, wenn das Bad nicht allzu ausgiebig ausfällt. Kleines Manko: Die Objektivschutzdeckel sind ein bisschen wabbelig. Ein Flipcap wäre vielleicht praktischer, aber das ist wirklich das Einzige, was ich im ersten Eindruck zu meckern habe.
Hochwertige Verarbeitung, durchdachtes, ergonomisches Konzept, solider Lieferumfang. Beide Modelle sind äußerlich identisch – hier gibt es keinen Unterschied.
Bedienung: Tasten und Encorder-Rad
Kommen wir zur Bedienung, und da gibt es einiges zu erzählen. Das Ventus ist kein einfaches Nachtsichtgerät, es ist ein komplexes Multisystem, und das merkt man beim ersten Anfassen. Oben auf dem Gerät sitzen vier Haupttasten, logisch angeordnet. Das Herzstück der Bedienung ist das große Encoderrad: einmal drücken, und man wechselt zwischen den Kanälen hin und her, also Thermal oder Tag- und Nachtsicht. Durch Drehen zoomt man das Bild digital heran. Ein längerer Druck führt ins Menü.

Das wirklich clevere Detail: zwei separate Fokusräder, eines für den Wärmebildkanal und eines für den Digitalkanal. Im Display wird immer angezeigt, welches Rad gerade aktiv ist. Das klingt zunächst nach unnötiger Komplexität, macht aber in der Praxis total Sinn, weil du dann immer siehst, welches Fokusrad gerade aktiv ist.

Und dann ist da noch ein Alleinstellungsmerkmal der Ventus-Serie: der umschaltbare IR-Strahler. Ihr könnt per Kippschalter zwischen 850 nm und 940 nm hin und her schalten.

Und was bedeutet das nun praktisch? Na ja, die 940-nm-Wellenlänge ist für das Wild nicht so gut auszumachen. Man sieht immer noch ein leichtes Glimmen des Aufhellers, aber deutlich weniger stark als bei den 850 nm. Das sorgt dafür, dass Wild nicht so leicht aufzuschrecken ist, auch bei Beobachtung auf, ich sag mal, Augenhöhe. Dafür ist aber die Reichweite etwas geringer. Die 850 nm haben mehr Leistung und größere Reichweite, zeigen aber ein schwaches rotes Leuchten, das empfindliches Wild beunruhigen kann. Und das Beste: Du entscheidest ganz situativ direkt im Feld, welche Wellenlänge du benötigst – ohne Werkzeug, ohne Umrüstung.

Bei Konkurrenzgeräten muss man diese Entscheidung vor dem Ansitz treffen oder zwei Strahler mitnehmen. Beim Ventus legst du einfach den Kippschalter um. Wenn du den IR-Strahler gar nicht brauchst, z. B. weil du ausschließlich mit dem Wärmebildkanal arbeitest, schraubst du ihn einfach ab und lässt ihn zu Hause. Wenn ihr jetzt noch nicht beeindruckt seid: Na ja, der wartet auf die Aufnahmen der Infrarot-Nachtsicht. So etwas haben wir tatsächlich noch nicht gesehen, also bleibt dran und gespannt.
Sie ist intuitiv aufgebaut, braucht aber eine kleine Eingewöhnungsphase. Das Dual-Fokusrad und der umschaltbare IR-Strahler sind echte Highlights.
Technische Daten
Jetzt wird's technisch, aber keine Angst, wir machen das ganz kurz und schmerzlos. Der Wärmebildkanal beider Modelle ist identisch: Wir haben einen 640 x 512 Pixel großen Sensor, eine Pixelgröße von 12 Mikrometer, eine Temperaturempfindlichkeit von kleiner/gleich 15 Millikelvin, was absolute Spitzenklasse ist, und wir haben einen 0,5 Zoll hochauflösenden AMOLED-Bildschirm mit 1600 x 1200 Pixeln. Die Unterschiede liegen in der Brennweite und in der verbauten Linse. Das Ventus 635L hat im Wärmebildkanal eine etwas geringere Grundvergrößerung und eine etwas geringere Maximalvergrößerung, dafür aber das größere Sehfeld von 22 m auf 100 m. Das Ventus 635L ist also ausnehmend gut für die Pirsch oder kürzere Distanzen geeignet, wobei der digitale Zoom – auf den kommen wir später noch zu sprechen – die Möglichkeit eröffnet, auch größere Distanzen zu überbrücken. Das Ventus 650L ist zweckmäßig, wenn du grundsätzlich auf größere Distanzen ausgelegt unterwegs bist.
Der digitale Tag- und Nachtsichtkanal ist bei beiden Modellen begrüßenswerterweise identisch. Warum sage ich begrüßenswert? Weil dieser Nachtsichtkanal allein uns mega überrascht hat. Auf dem Datenblatt ist der 4K-CMOS-Sensor vergleichbar mit den Sensoren anderer Hersteller – wir werden das später noch in der Praxis sehen. Der Sensor des ThermTec Ventus kommt aus einer anderen Welt, es ist eine andere Liga, aber wie gesagt, das schauen wir uns gleich an. Das Bild kann digital stabilisiert werden, und zwar in drei Stufen, und es kann digital bis zu einem vierfachen Zoomfaktor vergrößert werden.


Der Kernunterschied ist also klar: Das 650L hat eine 50 mm Wärmebildoptik statt 35 mm. Das bringt mehr Vergrößerung, mehr Detektionsreichweite, aber auch ein engeres Sehfeld. Das 635L hat ein deutlich größeres Sehfeld. Das hat Vorteile für Waldreviere oder die schnelle Situationserfassung auf kurze Distanz.

Kurzes Fazit zu den technischen Daten: eine identische Qualitätsbasis mit dem einzigen Unterschied der Wärmebildlinse, also des Sehfeldes. Und dieser Unterschied ist die eigentliche Entscheidungsbasis dafür, welches Gerät das richtige für dich ist, denn nur du weißt, wie du jagdlich unterwegs bist. Kurzum: kurze Distanz, Pirschen – 635L. Großes Feldrevier, große Entfernung, große Entdeckungs- und Identifikationsreichweite – da musst du zum 650L greifen.
Praxis: Revier- und Beispielaufnahmen
Jetzt genug der grauen Theorie, genug der Technik – jetzt gehen wir in die Praxis. Schauen wir uns einige Revier- und Beispielaufnahmen an. Der bereits angesprochene Sehfeldunterschied zwischen den beiden Geräten ist hier sehr gut erkennbar: unten das Ventus 650L mit 15 m Sehfeld auf 100 m, oben das Ventus 635L mit 22 m auf 100 m.

Der digitale Zoom hat uns sehr überrascht. Normalerweise ist es so, dass digitaler Zoom ein starkes Bildrauschen, eine Verpixelung bedeutet. In unserem Beispiel wird das Bild aber glattgerechnet. Die Darstellung wirkt dann zwar ein wenig comichaft, sorgt aber dafür, dass Einzelheiten am Wildkörper noch gut erkennbar sind.

Diese beiden Aufnahmen sind nicht am selben Abend entstanden. Und das Ventus 635L hatte tatsächlich mit sehr viel Niederschlag zu kämpfen – es regnete Bindfäden, und trotzdem ist es ein wirklich spannender Vergleich. Die Bildqualität ist beim 635L oben etwas eingetrübt, aber nicht so sehr, wie man es bei dem starken Niederschlag an diesem Abend erwarten dürfte. Das 635L hat also einen super Job gemacht, weil es zeigt, dass auch schlechtes Wetter nicht bedeuten muss, dass das Bild richtig schlecht wird. Im Gegenteil, die Bildqualität ist trotz des Wetters richtig gut.

Hier mal das Ventus 650L allein: Man sieht hier eine Rotte Sauen auf gut 120 m, und hier zeigt das Gerät, was es kann. Auf diese Entfernung sind ganz klar die Unterschiede zwischen Keiler und Bacher zu erkennen. Das ist schon eine wirklich starke Leistung des Gerätes.


Das Ventus 635L ist eher der Spezialist für die Pirsch, aber auch größere Entfernungen hat das Gerät drauf. Das liegt einmal an der guten Sensorauflösung, aber auch an der hohen Auflösung des Displays. Doch die wahre Domäne des 635L ist das Sehfeld, und damit ist es auch sehr gut geeignet für die Pirsch, denn hier hilft es dir, die Übersicht zu behalten. Auch auf kurze Distanz hast du genügend Sehfeld, um dich im Gelände orientieren zu können, ohne dir dabei den Hals zu verrenken.


Und jetzt kommen wir zu dem Punkt, den wir bereits angedeutet haben: den digitalen Nachtsichtkanal – und der sucht tatsächlich seinesgleichen.
Wir haben ja sehr viel Erfahrung auch mit analoger Nachtsichttechnik, also mit traditionellen Nachtsichtröhren, die, wenn sie richtig teuer sind, auch richtig leistungsfähig sind. Und hier zeigt ein digitales Nachtsichtgerät, dass es in seiner Leistungsfähigkeit gar nicht so weit weg ist von guten analogen Röhren. Natürlich sehen wir hier gerade ein mit dem IR-Aufheller aufgehelltes Bild. Ich zeige euch aber gleich einige Aufnahmen, die wir gemacht haben, ohne dass der IR-Aufheller zugeschaltet war. Und das ist die größte Überraschung: Denn trotz fehlender Unterstützung eines IR-Aufhellers hat man ein wirklich brauchbares Bild und kann die Silhouette des Wildes gut erkennen. Das haben wir so nicht erwartet – dass das Gerät mit einem Aufheller gut funktioniert, das war zu erwarten, aber gerade, dass es ohne Aufheller auch gut funktioniert, das war die größte Überraschung für uns.

Und damit nicht genug der Überraschung: Selbst bei Schietwetter leistet der Nachtsichtkanal mit dem IR-Aufheller Erstaunliches. Dieses Damwild auf 130 m bei Regen so gut zu erkennen und dabei noch den Laserentfernungsmesser nutzen zu können, ist wirklich eine Ausnahme – damit haben wir nicht gerechnet. ThermTec zeigt, welchen Vorsprung sie im Bereich der digitalen Nachtsichttechnik haben.
Doch selbst mit dem Taglichtkanal kann man bis tief in die Dämmerung erkennen, was im Revier so los ist. Klar, das Bild ist ein bisschen verrauscht, die Farben sind nicht mehr gut erkennbar, aber man kann das Bild noch erkennen.

Darüber hinaus hat man diese praktische Picture-in-Picture-Funktion: Damit kann man sich in der Tagsicht, aber auch in der Nachtsicht das Wärmebild zusätzlich auf dem Bild anzeigen lassen. Auch im Wärmebildkanal steht die Bild-in-Bild-Funktion zur Verfügung – du kannst dir den Tagsichtkanal und auch den Nachtsichtkanal als Miniatur anzeigen lassen. Last but not least hat das Gerät noch den Tagsichtkanal, der sich in drei Stufen stabilisieren lässt. Dieses Stück Rehwild steht auf über 250 m – ohne Stabilisierung wäre eine solche Aufnahme handgehalten kaum möglich.
Fazit
Fassen wir kurz zusammen: Die Ventus-Serie von ThermTec bildet den neuen Standard in der Klasse der binokularen multispektralen Geräte. Sie leistet sich einfach keine Schwächen – im Gegenteil, in jedem Bildspektrum ist sie herausragend gut, in Sachen digitaler Nachtsichtkanal sogar überragend. Die Frage, ob Ventus 635L oder 650L, ist nur durch dein Bedürfnis an das Sehfeld im Wärmebildkanal zu beantworten. Egal, für welches Gerät du dich entscheidest, du kannst dich auf ein sehr hochwertiges und in allen Bereichen leistungsfähiges Gerät freuen.
Hast du Fragen zum Ventus oder benötigst du Informationen zur Ausrüstung rund um die Jagd? Scheue dich nicht, uns zu schreiben, anzurufen oder komm einfach in Lichtenfels vorbei – wir freuen uns auf dich. Bis dahin wünschen wir dir ein kräftiges Weidmannsheil, dein Team von Active Hunting.