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Laufkürzung und deren Auswirkungen auf Geschwindigkeit, Energie und Geschossflugbahn am Beispiel .308 Win.

Laufkürzung in der Paraxis

Das Thema Lauflänge wird unter vielen Jägern heiß diskutiert. Die einen sagen, dass der Lauf so kurz wie möglich sein muss, damit die Waffe führig bleibt – die anderen sagen, dass der Lauf länger sein sollte, damit genügend Geschwindigkeit und Energie für eine hohe Reichweite vorhanden ist.

Gerade dem Kaliber .308 Win. wird hinsichtlich kurzen Läufen eine schon fast zauberhafte Wirkung nachgesagt – sicher auch ein Grund, warum gerade dieses Kaliber sich in Jägerkreisen äußerst großer Beliebtheit erfreut. Jeder redet darüber, aber kaum einer kann sagen, wie es sich bei den unterschiedlichen Lauflängen im Kaliber .308 Win. genau mit Geschossflugbahn, Geschwindigkeit, Energie und Reichweite verhält. Welche Lauflänge ist hier optimal? Was gibt es bei kurzen oder langen Läufen noch zu beachten?

Bild Schießstand

Um all diese Fragen zu beantworten haben wir uns für euch auf den Weg in das Müller Schießzentrum Ulm gemacht um einige Tests auf der 300m-Bahn durchzuführen. Wir wollen Fakten und keine halbgaren Aussagen!

Folgenden Versuche haben wir durchgeführt:

  • V0-Messung bei Lauflänge 42cm
  • V0-Messung bei Lauflänge 47cm
  • V0-Messung bei Lauflänge 52cm

(V0=Mündungsgeschwindigkeit)

  • Berechnung der „maximalen Reichweite“
  • Praxistest, ob Berechnung korrekt ist

Alle drei Waffen waren handelsübliche Blaser R8 mit den entsprechenden Lauflängen im Kaliber .308 Win. Bei allen drei Lauflängen haben wir auch den gleichen Schalldämpfer – einen Roedale Hybrid 47XK+ – verwendet, um auch hier homogene Bedingungen zu schaffen. Zur Geschwindigkeitsmessung haben wir das Messgerät von MagnetoSpeed verwendet, welches unterhalb am Schalldämpfer (oder am Lauf direkt) montiert werden kann. Sobald das Projektil aus der Mündung austritt und über die elektromagnetischen Sensoren fliegt, wird die Geschwindigkeit gemessen und über ein Kabel an einen kleinen externen Bildschirm übertragen. Als Patrone für unseren Test haben wir die Federal Trophy Bonded Tip mit 180 Grain Geschossgewicht verwendet. Es wurden mit jedem Lauf eine Serie von drei Schuss abgeben und die jeweilige Geschwindigkeit gemessen. Aus diesen drei Geschwindigkeiten je Lauflänge haben wir dann den Mittelwert für jeden Lauf gebildet und für unsere Berechnungen verwendet.

Bild Messgerät V0 Gewehrlauf

Angefangen haben wir mit dem 42cm Lauf. Es wurden also drei Schüsse abgegeben um einen Mittelwert zu erhalten. Folgendes Ergebnis haben wir erhalten:

V0 / Lauflänge 42cm
1.      Schuss 706 m/s
2.      Schuss 714 m/s
3.      Schuss 718 m/s
Mittelwert: 712 m/s

 

Die gleiche Vorgehensweise haben wir als nächstes mit dem 47cm Lauf durchgeführt. Hier bekamen wir folgendes Ergebnis:

V0 / Lauflänge 47cm
1.      Schuss 739 m/s
2.      Schuss 744 m/s
3.      Schuss 740 m/s
Mittelwert: 741 m/s

 

Und zu guter Letzt fand die V0-Messung des 52cm Laufes mit folgendem Ergebnis statt:

V0 / Lauflänge 52cm
1.      Schuss 757 m/s
2.      Schuss 756 m/s
3.      Schuss 759 m/s
Mittelwert: 757 m/s

 

Am Ende haben wir also die V0 für drei unterschiedliche Lauflängen. Draus konnte im Anschluss die jeweilige E0 (Mündungsengerie) berechnet werden. Das Ganze nochmal zusammengefasst in einer Tabelle stellt sich somit wie folgt dar:

 

Lauflänge
42cm
Differenz    
47cm 
Differenz  
52cm
V0 (Mündungsgeschwindigkeit)
712 m/s 
29 m/s
741 m/s   
16 m/s
757 m/s   
E0 (Mündungsenergie)
2956 J
237 J
3193 J
175 J
3368 J

 

Zeit für ein erstes Zwischenfazit:

Der Geschwindigkeits- und Energieverlust von 52cm auf 47cm Lauflänge ist sehr gering (16 m/s und 175 J). Etwas größer ist der Verlust zwischen 47cm und 42cm Läufen (29 m/s und 237 J). Aber auch dieser Verlust ist unserer Meinung nach jagdlich völlig irrelevant.

Detailaufnahme Lauflängen

Auswirkung der Lauflänge auf die GEE

Viele unserer Kunden sind auch oft der Annahme, dass man mit kurzen Läufen deutlich weniger Reichweite hat und damit nicht so weit schießen kann. Daher haben wir uns jetzt noch angesehen, wie es bei den drei Lauflängen um das Thema „Günstigste-Einschieß-Entfernung“ (kurz: GEE) steht.

Folgende Annahmen liegen demnach unserer Berechnungen zugrunde:

  • Waffe wird mit 3cm Hochschuss auf 100m eingeschossen (richtig, mit 3cm – nicht 4cm gem. Lehrbuch)
  • 3cm Abweichung von der Visierlinie sind für uns jagdlich akzeptabel
  • Die Abweichung kann nach oben (also 3cm Hochschuss) oder nach unten (3cm Tiefschuss) erfolgen – beides akzeptieren wir gleichermaßen

Kurz zur Erklärung, warum 3cm und nicht 4cm Hochschuss auf 100m

Wir schießen unsere Kundenwaffen meist nicht auf 4cm hoch auf 100m ein, wie es quasi die Lehrbuchdefinition der GEE vorschreibt, sondern lediglich auf 3cm hoch auf 100m. Dies ist unserer Meinung nach jagdlich vorteilhafter als die 4cm aus dem Lehrbuch. Dies hat folgenden Hintergrund:

Der tödliche Bereich bei unseren heimischen Wildtieren hat in der Regel einen Durchmesser von 8-10cm. Wir gehen bei dem angegebenen Durchmesser von Kammerschüssen/Schüssen auf das Schulterblatt oder kurz dahinter aus – alles andere ist grundsätzlich nicht empfehlenswert! Jetzt haben wir oben bei den Annahmen definiert, dass wir eine Abweichung von der Visierlinie von 3cm nach oben und nach unten akzeptieren. Das bedeutet, dass der Durchmesser der maximalen Abweichung 6cm beträgt. Wenn man jetzt noch 1-2cm Schützenstreuung hinzurechnet, dann sind wir wieder bei dem oben beschriebenen tödlichen Bereich mit einem Durchmesser von 8-10cm.

Was heißt das jetzt genau für unsere drei Lauflängen?

Wo auf unserer Geschossflugbahn die 3cm Abweichung nach oben ist, wissen wir – nämlich bei 100m. Es stellt sich also die Frage, wo die 3cm Abweichung nach unten ist (also 3cm Tiefschuss)  – dieser Punkt definiert dann die für uns „maximale Reichweite“. Die „maximale Reichweite“ stellt für uns die Entfernung dar, wo im Rahmen der 3cm Abweichung nach unten keine Verstellung am Zielfernrohr vorzunehmen ist oder der Haltepunkt korrigiert werden muss.

Gemäß unserer oben definierter Annahmen ließen sich folgende Reichweiten und Energien für die jeweiligen Lauflänge berechnen:

Lauflänge
42cm
Differenz
47cm
Differenz
52cm
„maximale Reichweite“
161m
5m
166m
4m
170m
E“maximale Reichweite“
2300 J
175 J
2475 J
128 J
2603 J

 

Alle Berechnungen basieren auf der zuvor gemessenen V0 und wurden mit der App „StrelokPro“ durchgeführt.

Unsere theoretischen Berechnungen haben wir dann auch direkt in der Praxis überprüft. Dies haben wir stichprobenartig mit dem 42cm Lauf gemacht. Wir haben erst auf 100m einen Schuss abgegeben und anschließend auf 150m. Bei 100m lag der Einschuss 3cm hoch – eben genau so wie die von uns eingeschossen wurde. Auf 150m hatten wir dann ca. 1,5cm Tiefschuss. Auch das deckt sich zu 100% mit den Berechnungen aus der StrelokPro-App. Hier ein kurzer Videozusammenschnitt davon:

Unser Fazit:

Im Kaliber .308 Win. empfehlen wir daher immer 47cm oder die ganz kurzen 42cm Läufe, da die Energie- und Reichweitenverluste jagdlich absolut vernachlässigbar sind. Unserer Erfahrung nach spielen sich 99% der jagdlichen Schüsse zwischen 10m und 150m ab. Die meisten Jäger haben auch ihr persönliches Limit für einen sicheren Schuss bei 150m gesetzt. Dies erfüllen auch die beiden kurzen Lauflängen problemlos. Durch die kurzen Läufe bleiben die Waffen trotz Schalldämpfer sehr führig und gerade in engen Kanzeln oder auf der Pirsch spielen die kurzen Läufe ihre Vorteile aus. Auch sind die kurzen Läufe (42cm und 47cm) leichter und deutlich weniger kopflastig (u.a. wegen geringerer Hebelwirkung) durch den Schalldämpfer als die längeren Läufe (52cm aufwärts).

Auch die Energie ist bei allen drei Lauflängen bei „maximaler Reichweite“ noch deutlich über 2000 Joule, was für eine entsprechend gute Wirkung beim Geschossaufprall auf Wild sorgen wird.

Wer es also möglichst führig haben möchte, der kann guten Gewissens den 42cm Lauf im Kaliber .308 Win. wählen. Hier sei aber zu beachten, dass bei dieser kurzen Lauflänge in Verbindung mit einem Schalldämpfer bei Verwendung eines Vorsatzgerätes fast immer ein Drückjagdglas oder eine sehr hohe Montage (das man mit dem Vorsatzgerät über den Schalldämpfer kommt) notwendig ist. Bei den 47cm-Läufen passen nahezu alle derzeit gängigen Vorsatzgeräte in Verbindung mit Standard-Zielfernrohren zwischen Objektivende des Zielfernrohrs und Schalldämpfer dazwischen.

Kurzer Hinweise zum Schluss:

Wir besitzen ein hauseigenes V0-Messgerät. Die V0 des jeweiligen Laufes in Verbindung mit der verwendeten Munition ist für Vieles nützlich. Beispielsweise ist es ratsam, wenn man seinen Ballistikturm kalibriert oder ein Fernglas/Zielfernrohr mit Ballistikrechner einrichtet die eigene V0 zu kennen. Unseren Stammkunden bieten wir gerne an sich das V0-Messgerät auszuleihen oder dass wir beim Kauf der Waffe gegen einen geringen Unkostenbeitrag die V0 direkt mit messen. Sprecht bei Bedarf gerne darauf an.

 

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